Philipp Sonntag Roman
Textauszug:
Ketzerei

Zwei Knechte mit groben Gesichtern zerren den Ketzer auf den Marktplatz. Er ist mit Teer beschmiert und mit Federn verklebt. Die Knechte heben den Ketzer vom Karren und schleifen ihn über das mit Kot und Holzspänen und Abfällen verkrustete Kopfsteinpflaster zum Scheiterhaufen. Am Fuß des Scheiterhaufens steht der Henker. Er trägt eine Kapuze, damit der zum Tode Verurteilte den Anblick seines Mörders nicht mit ins Jenseits nimmt. Das machten die damals so.»Okay!?« Der Henker und die Knechte wuchten den Verurteilten auf den Scheiterhaufen und fesseln ihn an
den Pfahl in der Mitte. Der Henker steckt das Reisig an den vier Ecken an.
Das Reisig brennt wie Zunder und entzündet die großen
Buchenscheite. Riesige Stichflammen schießen aus dem Holz und entlocken der Menge Schreie des Entsetzens und der Begeisterung.
Der Ketzer beginnt, laut zu beten. Da könnte man Chöre einsetzen,
Engelschöre, Trauerchöre, Trauerengelschöre... Stoppen Sie mal!« meinte Hilli. »Da fehlt doch die Riesenszene mit einem Priester und so, so was wie Sünden abschwören
im Angesicht des Kreuzes oder so; oder der Ketzer soll widerrufen, damit er unschuldig vor den Herrn tritt, tut er aber nicht oder so was in der Art!« Ja, kann man ja alles machen!« Harry war genervt. Muss man machen! Das ist saumäßig wichtig!« Ja! machen wir ja auch! Ich schreib's morgen noch mal um;
ich mach 'ne genaue Liste von den Szenen.« Okay, aber machen Sie erst einmal mit Weber die Szenen mit Rolf und Eberhard für die Folge einhundertelf fertig.« Klar, mach ich. Mach ich heute noch.« Harry wollte sich nicht stören lassen. Jedenfalls,
irgendwann ist dann alles vorbei. Der Ketzer ist unter grauenvollen Qualen
gestorben. Die dachten ja damals................

zurueck zum Anfang
bestellen